Sideways

Projektentwurf für eine Ausstellung im ländl. Raum in Belgien, 2012

Während der Herbsttage mag ein aufmerksamer Landschaftsbeobachter auf besonders anmutige aber gleichsam unabsichtliche Arragements von Strohballen treffen, die aus geernteten Getreidefeldern hergestellt werden. Als ein Zwischenglied industrieller Agrarproduktion, in welcher Strohballen als Energiespeicher für nachwachsende Brennstoffe oder für die Tierhaltung dienen, verweisen diese ebenso auf ein beliebtes künstlerisches Sujet der Erntezeit in der Lanschaftsmalerei.
Zugleich sind Heuballen ausgiebig portraitiert in digitaler Fotografie im Internet und dienen als Nachkomme dieses Sujets.

Ich plane eine Intervention in welcher der latente Zustand einer Quasi-Land-Art-Skulptur sich auf eine bespielhafte Weise entfaltet um die Erfahrung der Bewegung und die Wahrnehmung beim Vorbeiziehen von Spaziergängern, Fahradfahrern oder Pendlern im Zug zu verändern, um die Normen und Potentiale heutiger Lanschaftsarchitektur zu hinterfragen.

Eine Dramatisierung von Raum und Bewegung wird erreicht durch:
1) die Anwendung eines strikt geordneten Aufstellungsplans, statt der ungenauen Beliebigkeit mit welcher die Strohballen von Erntemaschinen verteilt werden.
2) Die Umsetzung einer "reverse perspective" (welche der zentralen Perspektive vorangeht und in orthodoxer, byzanthinische Ikonographie verwendet wird.
3) das Erreichen eines zeitlichen und raeumlichen Dehnungseffektes, der um einen speziellen Brennpunkt herum organisiert ist, der sich auf dem Weg befindet, und als Verlangsamung interpretiert werden kann, als eine Wahrnehmungsverzerrung oder mentale Übung.

Indem ich die räumlichen und zeitlichen Gesetzlichkeiten verändere, mit welchen wir die heutigen Agrarlandschaften wahrnehmen, im
Vergleich zu einer historisch gegebenen Erzählung von Naturschönheit, gegenüber einem kulturell akzeptierten Wissen von Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft und Kunst. Ich möchte damit ein Beispiel geben, das andere dazu ermuntert Strohballenfelder neu zu sehen, um so beispielhaft auf Gestaltungsmöglichkeiten im ländlichen Raums zu verweisen.

Projektform:
Während einer Gruppenintervention (mit Handies und Gps) werden in einem existierenden Getreidefeld das einen geplanten Seitenweg/Pfad und in der Nähe befindliche Nahverkehrszuglinie kreuzt, sämtliche vorhandenen Strohballen nach einem genauen mathematischen System umgeordnet. Durch die Anwendung der Rückwärtsperspektive werden die einzelnen Elemente auf einer Matrix angeordnet welche den Raum krümmt, so dass die näher aneinanderliegenden Elemente weniger weiter weg erscheinen.

Die Perspektive focussiert auf einen zentralen Kreuzungspunkt (Fluchtlinie) aus welchem der Blick am gleichmässigsten erscheint und Fotographien gemacht werden. Aus dem fahrenden Zug ebenso wie anderen Punkten auf dem Pfad entstehen verschiedene andere Blickwinkel die nicht notwendigerweise zu einer optischen Illusion führen. Zusätzlich können die Strohballen gedreht werden, so dass die Fluchtlinien auf eine bestimmten weit entfernteren Punkten verweisen, z.b. Brüssel als die Haupstadt Europas.